WISSENSWERTES | 09.11.2020

Digitale Nomaden: Unterschätzt das Steuerrecht nicht!

 

Die weltweite Pandemie um das neuartige Coronavirus hat noch einmal mehr den Fokus auf digitales Arbeiten gelegt. Schlagworte wie „Homeoffice“, „mobiles Arbeiten“ oder „Remote Work“ sind allgegenwärtig. Die Bundesregierung diskutiert gar ein „Recht auf Home-Office“. Weniger im öffentlichen Fokus der vergangenen Monate stand hingegen das Reisen. Sogenannte „Digitale Nomaden“ verbinden normalerweise beides. Sie bereisen die Welt und arbeiten von den unterschiedlichsten Orten weltweit: Im einen Monat von einem Co-Working-Space auf Bali aus, im nächsten Monat sitzen Sie in einem Hostel in den Anden und zwei Monate später in einem hippen Café in New York. Sie sind flexibel, da sie ausschließlich digitale Dienstleistungen erbringen.

 

Das Ziel: Gutes Leben, keine Steuern

 

Neben Flexibilität und einem aufregendem Lifestyle erhoffen sich Digitale Nomaden davon häufig auch, Steuern zu sparen. Der Gedanke dahinter: Wenn ich nirgendwo wohne, muss ich auch nirgendwo Steuern zahlen.

 

Steuern sparen: ja, aber …

 

An dieser Stelle ist jedoch Vorsicht geboten. Wenn man sich dazu entschließt, Deutschland den Rücken zu kehren und als Digitaler Nomade um die Welt zu reisen, hat man zwar tatsächlich die Möglichkeit, die eigene Steuerlast zu senken. Der Mythos der sogenannten Nullbesteuerung bleibt aber zumeist – ein Mythos.

 

Für einen guten Start in das neue Lebensmodell ist eine gute Planung und Vorbereitung unerlässlich. Es gibt viele Fallstricke, die teuer werden können, wenn man schlecht beraten ist. Schon das Beibehalten eines Zimmers im Elternhaus, ein Bausparvertrag oder eine vermietete Wohnung können dazu führen, dass man in Deutschland steuerpflichtig bleibt. Außerdem sind die steuerrechtlichen Gegebenheiten  in jedem Land anders. In den meisten Ländern ist man unbeschränkt – also mit seinem weltweiten Einkommen – steuerpflichtig, wenn man dort einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Während man für die Begründung des gewöhnlichen Aufenthalts in Estland mindestens 183 Tage dort verbracht haben muss, reichen in der Schweiz schon 90 Tage aus und in den USA spielen neben der Anzahl an Aufenthaltstagen noch andere Faktoren eine Rolle. Zudem besteuern die meisten Länder zusätzlich das Einkommen, das in dem jeweiligen Land erwirtschaftet wird (sog. Quellensteuern).

 

Die Zeit der Pandemie nutzen

 

Ob, wie und wo man welche Steuern zahlen muss, wenn man nun als Digitaler Nomade losziehen möchte, ist daher in jedem Einzelfall genau zu prüfen. Eine pauschale Aussage kann nicht getroffen werden. Aber gerade jetzt, da die Welt ein wenig stillsteht, ist der optimale Zeitpunkt für eine perfekte Vorbereitung. Das Gleiche gilt natürlich auch, wenn man den festen Umzug in ein anderes Land plant – ohne alle paar Monate weiterziehen zu wollen.


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